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Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso Orakel

by Hkiefer · 23. Juli 2025

Der Dalai Lama und das Tibetisches Orakel
Wächter des Dharma: Die tibetischen Orakel und ihre Rolle im spirituellen Umfeld des Dalai Lama
In der komplexen Struktur des tibetischen Buddhismus gibt es nur wenige Traditionen, die so viel Mystik und Ehrfurcht hervorrufen wie die Praxis der Orakelberatung. Seit Jahrhunderten dienen tibetische Orakel als spirituelle Vermittler, Beschützer und Berater – vor allem für den Dalai Lama selbst. Diese Orakel sind keine bloßen Wahrsager, sondern tief in das religiöse und kulturelle Gefüge Tibets eingebettet und bieten Führung, die über die materielle Welt hinausgeht.
Was ist ein tibetisches Orakel?

  • Tibetische Orakel sind spirituelle Wesen, von denen angenommen wird, dass sie während ritueller Trancen vorübergehend menschliche Medien, sogenannte Kuten (physische Basis), besitzen.
  • Das bekannteste unter ihnen ist das Nechung-Orakel, das als Staatsorakel Tibets gilt und dessen Geist „Dorje Drakden”, eine zornvolle Schutzgottheit, seit dem 16. Jahrhundert die Dalai Lamas berät.
  • Eine weitere verehrte Figur ist das Tenma-Orakel, vertreten durch Khandro-La, eine weibliche Medium, die die Schutzgeister des tibetischen Buddhismus kanalisiert.
    Rollen und Aufgaben
    Die Orakel erfüllen vielfältige Aufgaben, die spirituelle Einsicht mit praktischer Regierungsführung verbinden:
  • Spiritueller Schutz: Orakel werden angerufen, um den Buddha Dharma und seine Anhänger zu schützen, insbesondere in Krisenzeiten.
  • Politische Führung: Historisch gesehen haben Orakel tibetische Führer in Staatsangelegenheiten beraten, darunter militärische Strategien und diplomatische Entscheidungen.
  • Heilung und Rituale: Sie werden auch zu Heilungen, Exorzismen und Segnungen herangezogen, was ihre Rolle als spirituelle Betreuer stärkt.
  • Nachfolge und Reinkarnation: Orakel spielen eine Rolle bei der Identifizierung reinkarnierter Lamas, darunter auch des Dalai Lama selbst, durch Visionen und Zeichen.
    Die Verbindung zum Dalai Lama
    Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, hat offen zugegeben, dass er sich auf das Nechung-Orakel verlässt. In seiner Autobiografie berichtet er, wie das Orakel ihn 1959 zur Flucht aus Tibet drängte und ihm sogar eine detaillierte Fluchtroute vorgab. Dieser Moment unterstreicht die zentrale Rolle des Orakels bei der Gestaltung der tibetischen Geschichte und der Bewahrung ihrer spirituellen Führung.
    Ritual und Verehrung
  • Während „Losar”, dem tibetischen Neujahrsfest, konsultiert der Dalai Lama das Nechung-Orakel in einer feierlichen Zeremonie mit Gesängen, Weihrauch und rituellen Opfergaben.
  • Der Trancezustand ist körperlich anstrengend; die Medien tragen aufwendige Kopfbedeckungen und brechen oft zusammen, nachdem der Geist sie verlassen hat, sodass sie sich lange erholen müssen.
    Bedeutung im Exil
    Auch im Exil lebt die Tradition weiter. Das Nechung-Kloster in Dharamshala, Indien, in der Nähe der Residenz des Dalai Lama, pflegt diese heilige Praxis weiterhin und symbolisiert damit die Widerstandsfähigkeit der tibetischen Kultur und ihrer spirituellen Institutionen.

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