Anderswelt Unterwegs in bekanntes Land

Bei einer praktischen Annäherung an den Schamanismus sollte auf die gesammelten Erfahrungen der in früheren Zeiten und heute praktizierenden Schamanen nicht verzichtet werden. Denn deren Erlebnisse können als eine Art Reiseführer dienen, und den/die Praktizierende/n vor möglichen Schaden bewahren. 
Was genau ist auf einer schamanischen Reise nun zu erwarten? Dazu soll mit wenigen Worten die schamanische Kosmologie erläutern werden. Der Schamane versteht die Welt als viergeteilt. Es gibt eine untere Welt, die von den großen Offenbarungsreligionen – dem Christentum und dem Islam – zur Hölle umfunktioniert wurde. Weiters existiert eine obere Welt, Christen und Moslems bezeichne sie in ihren Überlieferungen als Himmel. Auch viele indigene Völker kennen diese beiden Welten, nur fehlt die auf Belohnung und Strafe
basierende Wertung. Keine der Welten ist besser oder schlechter als die andere. Beide sind notwendig und unterscheiden sich lediglich in ihrer Art und Darstellung.
Diese beiden Welten können mit einem Baum vergleichen werden, der mehrere Faktoren benötigt, wie etwa Erde und Luft, zum Leben und Gedeihen. In vielen Kulturkreisen ist dieser Lebensbaum daher auch ein zentrales Symbol für die schamanischen Wirklichkeitsbereiche (Weltesche Yggdrasil – Kurt Eigel: Deutsche Götter und Heldensagen; Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1953), und wird damit zum Weltenbaum, dessen Wurzeln den Erdmittelpunkt erreichen und dessen Krone bis in den Himmel ragt.
Zwischen unterer und oberer Welt liegt die mittlere Welt. Das ist die Welt des irdischen Alltagslebens. Die mittlere Welt ist in sich zweigeteilt. In eine alltägliche und eine nicht alltägliche Wirklichkeit. Alltäglich sind z.B. Schule, Arbeitsplatz oder Autos. Nicht alltäglich sind die Zusammenhänge und Vorstellungen hinter diesen materiell und sinnlich wahrnehmbaren Fassaden.
In der unteren und der oberen Welt hingegen ist alles Erlebte nicht alltäglich. Schon ihr Aufbau veranschaulicht dies sehr deutlich. Sowohl bei der unteren Welt als auch der oberen Welt handelt es sich nicht um homogene Räume, d. h., sie sind nicht einheitlich aufgebaut und lassen sich in vielfach oft extrem unbestimmte Regionen unterteilen, die oft als Sphären erlebt werden (Dante Alighieri: Divina Commedia). Alltägliche und nicht alltägliche Wirklichkeit sollten sich immer in der richtigen Balance zueinander befinden, denn so kann
der/die Praktizierende seine/ihre seelische und emotionale Gesundheit behalten.
Falls jedoch der Entschluß gefaßt wurde, zwischen den Welten schamanisch zu reisen, sollten diese spirituellen Bemühungen mit Bedacht, Umsicht und Selbst-Bewußtsein ins Alltagsleben integriert werden, ohne jedoch die Anforderungen einer vielschichtigen Gesellschaft zu vernachlässigen (Johann Wolfgang von Goethe: Der Zauberlehrling).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.